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St. Hubertus, Schmidt

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hubertus_webNach der fast völligen Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde die Pfarrkirche wiedererrichtet.

Im Volksmund trägt die Kirche scherzhaft die Bezeichnung "Sankt Mokka", weil der Wiederaufbau maßgeblich mit Spendengeldern u.a. aus dem Erlös des Kaffeeschmuggels finanziert wurde.

St. Hubertus setzt Maßstäbe in punkto alternativer Energien. So ist die Kirche die erste kath. Pfarrkirche in Nordrhein-Westfalen mit Holzpellet-Heizungsanlage (100 kW). Aber auch Strom wird auf umweltfreundlichem Weg gewonnen. In das Dach des Kirchengebäudes wurde eine Fotovoltaik-Anlage mit 20 kWp-Leistung integriert.


Geschichte:

m Beisein von 16 Geistlichen fand am 3. September 1685 die Weihe der ersten Kapelle in Schmidt statt. Zum Pfarrpatron wählte man den hl. Hubertus. Schmidt war damals jedoch keine selbständige Pfarre, sondern gehörte zur Mutterpfarre Simmerath. Die Schmidter mussten aus eigenen Mitteln ihren Pfarrer und das Pfarrhaus unterhalten. Als erster Pfarrer wird 1696 Peter Kesseler genannt.

1710 wurde die Kapelle beraubt; hierbei gingen die Messgeräte und Paramente (textile Gegenstände für gottesdienstliche Zwhubertus_altecke) verloren.

Im Lauf der Jahre bereitete die Unterhaltung der Kapelle große Sorge. Jedes Jahr wurden die unterschiedlichsten Handwerker erforderlich, um sie vor dem Verfall zu bewahren. So betrugen beispielsweise 1826 die Reparaturkosten 290 Taler.

Trotz all dieser Schwierigkeiten schafften die Schmidter Katholiken 1830 zwei neue Glocken an. Die größere von ihnen musste im Ersten Weltkrieg für Kriegszwecke abgegeben werden; die kleinere ging 1924 an die Kapelle in Hasenfeld, wo sie noch heute ihr hohes "c" erklingen lässt.

Weil um 1850 die Kapelle die stark gestiegene Einwohnerzahl nicht mehr fasste, und sie außerdem nicht mehr zu retten war, fasste man 1863 den Plan eines Neubaus. Der Grundstein für eine dreischiffige neugotische Hallenkirche wurde am 5. Juni 1866 gelegt. Deren Kosten werden mit 17.914 Taler 19 Groschen und 7 Pfennigen angegeben. Zum Vergleich: Am Ende des 18. Jahrhunderts lag das Jahresverdienst eines Handwerkers bei 200 bis 600 Taler, und für einen Taler bekam man 12 kg Brot bzw. 6 kg Fleisch. Ab 1821 war der preußische Reichstaler (bis 1871 im Umlauf) in 30 Silber-Groschen unterteilt. 

Das Weihefest fand am 29. September 1870 statt. Bereits 1868 hatte Pfarrer Heinrich Josef Beumers bei der Kölner Orgelbaufirma Dautzenberg eine neue Orgel in Auftrag gegeben. Deren Pfeifen wurden im Ersten Weltkrieg ebenfalls eingeschmolzen. 1894 schaffte man eine neue Glocke an. Als man hierfür das Mauerwerk des Turms untersuchte, stellte man fest, dass dessen Westseite starke Witterungsschäden aufwies. 1896 behob man sie durch einen Zementputz.

hubertus_alt_innenIm Laufe der Jahre erhielt die Kirche ein kunstvoll geschnitztes Chorgestühl, prunkvolle Altäre sowie Predigstuhl und Kommunionbank.

1920 gab es einen neuerlichen Einbruch, bei dem den Räubern zwei Ciborien (Gefäße zur Aufbewahrung der Hostien) und eine aus 1767 stammende Sonnenmonstranz (Gehäuse zum Aufbewahren und Zeigen der Hostie) in die Hände fielen. Zum Schutz vor weiterem Frevel baute man im Hochaltar ein schwer gepanzertes Tabernakel (Schrank für geweihte Hostien) mit vergoldeten Türverschlägen ein.

Am 1. Dezember 1924 wurden drei neue Glocken eingeweiht; die beiden größeren mussten im März 1942 eingeliefert werden, während die kleinere im weiteren Kriegsverlauf beschädigt wurde. Am 6. Oktober 1944 hatte die Kirche einen Artillerie-Volltreffer in das Dach an der "Frauenseite" (= links vor dem Altar) erhalten. Als der Beschuss stärker wurde, evakuierte man Schmidt. Ab dem 13. Oktober 1944 war das Betreten des Dorfs nur noch mit polizeilicher Genehmigung möglich. Zwei weitere Volltreffer zerstörten das Gotteshaus im November 1944 so stark, dass nur der Turm stehen blieb, der dann jedoch am 6. Dezember 1944 von deutschen Thubertus_alt_kriegruppen gesprengt wurde. 

1947 übernahm Pfarrer Josef Bayer die Seelsorge in Schmidt. Unter ihm machte der Wiederaufbau des Gotteshauses große Fortschritte. Hierzu gab es umfangreiche Spenden aus der Schmidter Bevölkerung, die außerdem in über 750 Tagewerken ihre Arbeitskraft einsetzte. Die Grundsteinlegung erfolgte am 10. April 1949, und am 5. November 1950, dem Tag des Namenspatrons Hubertus konnte der Aachener Weihbischof Dr. Hünermann bereits die feierliche Einweihung vollziehen.

Bereits 1955 musste man feststellen, dass der Kirchenraum für die stetig und schnell wachsende Seelenzahl nicht ausreichen werde. 1962 beschloss der Kirchenvorstand dann, einen Kirchenbauverein zu gründen, und am 3. April 1968 wurde der Entwurf des Architekten P. Heinen mit einigen Änderungen umgebaut und erweitert. Ende 1969 konnte der neue Kirchenraum seiner Bestimmung übergeben werden.

Während der Umbauphase war die Kirche durch eine große Plane unterteilt, so dass auf der einen Seite Gottesdienst gefeiert werden konnte, während auf der anderen gebaut wurde.

1930 sprach Papst Pius XI. die Erhebung der Aachener Diözese als Suffraganbistum von Köln aus, d.h.: der dortige Bischof war dem Kölner Erzbischof unterstellt. Erster Bischof wurde 1931 der am 8. September 1865 in Schmidt geborene Dr. Joseph Heinrich Peter Vogt, an den noch heute die "Vogtstraße" erinnert. Er hatte dieses Amt bis zu seinem Tod 1937 inne.

Weitere ausführliche Informationen erhalten Sie auf der Internetseite der Pfarrgemeinde unter www.st-hubertus-schmidt.de.

Stand: 17.11.2017

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