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St. Martinus, Abenden

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Stand: 17.11.2017

martinusSchon im 16. Jh. ist eine Kirche in Abenden nachgewiesen; sie war Kapelle unter der Pfarre Berg vor Nideggen. Dieser Bau befand sich in der Dorfmitte. Ein Sandsteinkreuz erinnert heute noch an den Standort der Kapelle. 

Die Kapelle war dem Hl. Martin von Tours geweiht. Sankt Martin war der erste Heilige in der lateinischen Kirche. In Tours befindet sich das Grab des fränkischen Nationalheiligen, der u.a. der Patron der Soldaten, Schneider, Bettler und Geächteten ist. Die Martinsgans erinnert an die Legende, nach der sich der Heilige in einem Gänsestall versteckt haben soll, um seiner Wahl als Bischof zu entgehen. Die schnatternden Tiere verrieten ihn jedoch. 

Vor gut 140 Jahren haben unsere Vorfahren unter persönlichem Einsatz und finanziellem Verzicht unsere jetzige Kirche/Kapelle gebaut. Sie ist - wie die alte Kapelle - dem Hl. Martinus geweiht.

Mit Schreiben vom 12.03.1864 wurden Plan und Kostenanschlag dem Erzbischöflichen Generalvikariat zu Köln vorgelegt und von diesem wurde am 17.03.1864 der Bau der neuen Kirche an dieser Stelle genehmigt. Baubeginn war der 23.06.1864 (siehe Grundstein). Bereits am 18.10.1martinus_kreuz865 bat die Gemeinde um Einweihung der neuen Kapelle; die Genehmigung wurde am 21.10.1865 erteilt. Wegen des Tags des Pfarrpatrons erfolgte die Einweihung am Sonntag, 13.11.1865.

Die Kapelle ist ein dreischiffiger Bruchsteinbau im neugotischen Stil mit Chor aus den fünf Seiten eines Achtecks. Sie verfügt über 108 Sitz- und 50 Stehplätze. Für die damaligen Verhältnisse – ca. 240 Katholiken - ein großzügiger Bau. Bereits 1868 konnte der Nachweis über Taufstein und Friedhof geführt werden, erlaubt wurden dann Taufe und Beerdigung – vorher war das Spenden der Sakramente nur in der Pfarrkirche in Nideggen erlaubt.

Der geschnitzte Hochaltar mit Retabel wurde von dem Aachener Bildhauer Hermanns angefertigt und bereits im Jahre 1876 fertiggestellt. Dieser Altar wurde aus freiwilligen Beiträgen der Gemeinde Abenden finanziert.

Nach einer 2005 durchgeführten Vermessung liegt die Kirche fast genau 11 m über dem Dorfplatz.

Steinkreuz,
in der Dorfmitte



martinus_patronDas Kruzifix aus Eichenholz – in der Mitte über dem Altar– stammt aus dem 18. Jh. und lässt vermuten, dass dieses Kreuz noch aus der alten Kapelle stammt. In der Organisation des ersten Bistums Aachen 1804 ist Abenden unter der Pfarre Nideggen aufgeführt und ihr unterstellt. 

1923 wurden die Fenster von der Fa. Wilh. Sonanini, Düren, hergestellt und geliefert. Typisch für diese Zeit ist die Verwendung von Symbolen, die entsprechend der Hierarchie des Kirchenraumes eingesetzt wurden. Im Schiff sind die Fenster mit einem Kreuzsymbol geschmückt – monumental nimmt es die ganze Fensterfläche ein. Im Chorraum steigert sich die Bedeutung zum mittleren Chorfenster hin, das im Kreuz auf Christus Bezug nimmt. Es folgen: Siegesfahne und Hand mit Siegeszeichen als Symbol für die Auferstehung Christi und Hinweis auf das ewige Leben. Im Fenster gegenüber sind Kelch, Ähren und Trauben typische Zeichen für Christus und seinen Opfertod.

1871 Bau einer Sakristei. In den Jahren 1921 bis 1925 wurde die Kapelle umfangreich restauriert. Unter anderem wurde auch die Sakristei erweitert. 1924 wurden die beiden Glocken in der Bochumer Gießerei gegossen.

Nach dem 2. Weltkrieg waren wieder erhebliche Restaurierungsarbeiten erforderlich. Diese umfangreichen

St. Martinus, der Pfarrpatron

Reparatur- und Restaurierungsarbeiten wurden durch großzügige finanzielle Spenden aus der Bevölkerung möglich, u.a. die Reparatur der 9 Kirchenfenster. 1951/52 wurden die Kreuzwegbilder komplett von der Bevölkerung gestiftet.

Ab 1968 wurde der gesamte Innenraum der Kirche umgestaltet (infolge des II. Vatikan. Konzils). In dieser Zeit des Umbruchs wurde die barocke Kanzel aus dem Jahre 1663 abgebaut und in das Diözesanarchiv des Bistums Aachen nach Wenau übertragen. Diese Kanzel verbleibt weiterhin im Eigentum der Kirche Abenden und kann nach telef. Vereinbarung in Wenau besichtigt werden.

2004 wurde der gesamte Westgiebel mit Turm des Kirchengebäudes aus eigenen Mitteln saniert und neu isoliert. Im Jahre 2005 bekam unsere Kirche einen neuen Innenanstrich.

An des Dorfes höchster Schwelle,
wo die alten Linden stehn,
ruft das Glöcklein zur Kapelle,
fromme Beter seh’ ich gehn.
Von hier auch tönet Glockenklang
allen einst zum letzten Gang.

(Josef Saurbier †)

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